Schwerkraftmaschine Multibandkompression ohne Frequenztrennung - wie funktioniert das

  • 05.01.2017
  • Michael Krusch
  • Artikel
  • Schwerkraftmaschine
Die Schwerkraftmaschine bringt 11 verschiedene Kompressions-Modi mit. Wir wollen jeden einzelnen näher beleuchten.
Wir beginnen mit dem Mode Multi-Band Complex.

Was ist Multibandkompression

Klassische Multibandkompression zerlegt das Signal in mehrere Frequenzbereiche, die dann einzeln komprimiert werden. Dadurch ist es möglich, einzelne Frequenzbereich im Zaum zu halten.

Masteringexperten sagen, dass erst ab mindestens 5 Frequenzbändern einzelne Spektralbereiche sinnvoll zu bearbeiten sind. Darunter sind die Frequenzbereiche so breit, dass nicht gezielt auf einzelne Zonen Einfluß genommen werden kann.

Da Multibandkompressoren üblicherweise für jeden Kanal einen kompletten Parametersatz mit Attack, Release, Threshold, Ratio und Makeup-Gain bereitstellen, sind sie ein wahres Parametergrab.

Multi-Band Complex

Die Schwerkraftmaschine verfügt über einen Mode namens Multi-Band Complex. Wie funktioniert das, obwohl die Schwerkraftmaschine nur über ein einziges Regelglied pro Stereokanal verfügt?

Auch die Schwerkraftmaschine spaltet das Signal in mehrere Frequenzbereiche auf. Dies geschieht aber auf digitaler Ebene in der Sidechain. Aus jedem dieser Frequenzbereiche wird ein separates Steuersignal gewonnen.

Soweit die Gemeinsamkeiten zu einem Multibandkompressor.

Nun werden diese Steuersignale mit einer eigenen Formel zu einem gemeinsamen Steuersignal zusammengesetzt.
Dabei hat jeder Frequenzbereich einen eigenen Einfluss auf die Kompression, die eine ausgewogene Kompression nach psychoakustischem Lautheitsempfinden gewährleistet.

Diese Formel wurde auf Grundlage der gehörrichtigen Lautstärke (https://de.wikipedia.org/wiki/Geh%C3%B6rrichtige_Lautst%C3%A4rke) erstellt und dann bei Hörtests im Studio entsprechend den Erfordernissen der modernen Musik angepasst.



Da tiefe Frequenzen durch die längeren Wellenlängen bei schnellen Attacks zu Verzerrungen neigen (der Kompressor schneidet in die Wellenform rein), ist das Timing der einzelnen Frequenzbereiche unterschiedlich. Die Schwerkraftmaschine reagiert auf tiefere Frequenzen mit langsamerem Timing als auf mittlere Frequenzen.
Auf hohe Frequenzen kann sie noch mal schneller reagieren, ohne dass es Verzerrungen in den Attacks gibt.

Natürlich passt diese Gewichtung der einzelnen Frequenzbereiche nicht immer ideal zur Musik. Deshalb ist es einfach möglich, über den Tilt-EQ im Side-Chain-Filter die Gewichtung der einzelnen Frequenzen an den jeweiligen Song anzupassen.

Fazit

Der Mode Multi-Band Complex mag zwar nicht 100%ig wie ein Multibandkompressor arbeiten, er vermeidet aber auch seine Nachteile, wie Nichtlinearitäten und Phasenverschiebungen an den Trennfrequenzen und eine sich signalabhängige ändernde spektrale Balance der kompletten Mischung.
Und er ist gegenüber einem 5-kanaligen Röhrenkompressor auch bezahlbar.

Wie bei Geräten mit Charakter üblich, braucht es einige Einarbeitungs- und Einhörzeit, um mit dem Verhalten des Modes vertraut zu werden.
Die Übersichtlichkeit der Parameter hilft aber, der Multibandkompression den Schrecken zu nehmen.

Gerade für Mixe, bei denen man mit Breitbandkompression nicht weiterkommt, ist Multi-Band Complex einen Versuch wert.


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